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Standardsoftware oder Individualsoftware?

Standard reicht für den Standardprozess. Eigene Software lohnt, wo der Prozess der Wettbewerbsvorteil ist.

Standardsoftware kaufen oder eigene bauen lassen, das ist die Frage hinter Build-vs-Buy. Die kurze Antwort: Standard reicht, solange Ihr Prozess dem entspricht, was der Markt sowieso macht. Sobald der Prozess Ihr Vorteil ist, fängt er an, sich gegen die Standardlösung zu wehren.

Wann Standard reicht

Der Ablauf ist branchenüblich und nichts Besonderes
Sie wollen schnell starten, ohne Entwicklung abzuwarten
Die Lizenzkosten sind überschaubar und kalkulierbar
Ein fremder Hersteller darf den Takt vorgeben

Für Buchhaltung, Lohnabrechnung oder E-Mail stellt sich die Frage gar nicht ernsthaft: Diese Abläufe sind für alle gleich, die Standardlösungen ausgereift, und niemand gewinnt einen Kunden, weil seine Buchhaltung origineller ist. Hier wäre Eigenentwicklung Geldverschwendung.

Wann sich Individualsoftware lohnt

Wenn Ihr Prozess der Grund ist, warum Kunden bei Ihnen kaufen, sollte die Software ihm folgen, nicht umgekehrt. Verräterisch wird es, wenn Mitarbeiter die Standardlösung ständig verbiegen, Daten in Excel und Access daneben pflegen oder die Lizenzkosten pro Kopf mit jedem neuen Mitarbeiter weiterwachsen. Oft steht am Anfang auch eine Altsoftware, die abgelöst gehört.

Um die Standardlösung herum ist ein Kranz aus Excel-Listen und Handarbeit gewachsen
„Das geht in dem Programm nicht" gehört zum Alltagsvokabular
Dieselben Daten werden in mehrere Systeme doppelt eingetippt
Der Hersteller hat Ihre wichtigste Funktionsanfrage zum dritten Mal vertagt
Die Lizenzrechnung wächst schneller als der Nutzen

Je mehr dieser Punkte zutreffen, desto teurer ist der vermeintlich günstige Standard in Wahrheit. Die Kosten stehen nur nicht auf einer Rechnung, sondern stecken in verlorener Zeit, Fehlern durch Doppelerfassung und Entscheidungen, die auf veralteten Daten beruhen.

Die Frage hinter der Frage: Wer gibt den Takt vor?

Bei Standardsoftware entscheidet der Hersteller, welche Funktionen kommen, welche verschwinden, wann Preise steigen und wann eine Version ausläuft. Meist ist das unkritisch, manchmal existenziell: Wenn das Werkzeug im Kern Ihres Geschäfts steckt, geben Sie die Kontrolle über Ihr eigenes Tempo ab. Eigene Software dreht das Verhältnis um. Sie entwickelt sich, wenn Ihr Betrieb es braucht, nicht wenn ein Roadmap-Meeting es beschließt. Dafür tragen Sie die Verantwortung für Pflege und Weiterentwicklung selbst, was eingeplant gehört, wie unter Was kostet eine eigene Software beschrieben.

Der unterschätzte Posten: wieder herauskommen

Bei der Anschaffung denkt niemand an den Abschied, dabei entscheidet er über die Verhandlungsposition der nächsten Jahre. Prüfen Sie vor dem Kauf einer Standardlösung, wie Sie Ihre Daten wieder herausbekommen: vollständig, in einem offenen Format, ohne Zusatzkosten? Systeme, die Daten nur hineinlassen, aber nicht mehr heraus, machen jede spätere Entscheidung teurer, vom Anbieterwechsel bis zur eigenen Entwicklung. Bei Individualsoftware stellt sich die Frage anders: Dort gehört vertraglich geklärt, wem Quellcode und Daten gehören. Beides sollte bei Ihnen liegen.

Der ehrliche Mittelweg

Selten ist es ein klares Entweder-oder. Häufig trägt eine Standardlösung den größten Teil, und nur das eine Detail, das Ihren Betrieb ausmacht, wird ergänzt: eine Erweiterung, eine vorgelagerte Eingabemaske, eine Schnittstelle, die zwei Systeme verbindet. So zahlen Sie nicht für eine komplette Eigenentwicklung und biegen sich trotzdem nicht um die Software. Wo die Grenze sinnvoll liegt, hängt davon ab, wie viel Ihres Prozesses wirklich besonders ist.

In der Praxis sieht das etwa so aus: Das ERP bleibt Standard, aber die Auftragserfassung davor wird eigene Software, weil dort Ihre Besonderheit liegt. Oder ein Kundenportal setzt auf die vorhandenen Systeme auf und macht sie nach außen nutzbar, ohne innen etwas umzubauen.

So treffen Sie die Entscheidung strukturiert

01

Prozess zerlegen

Welche Teile sind branchenüblich, welche machen Sie besser als andere?

02

Gesamtkosten rechnen

Lizenzen pro Kopf über Jahre gegen Entwicklung plus Betrieb, ehrlich auf dieselbe Laufzeit gerechnet.

03

Klein anfangen

Erst den Engpass lösen, dann ausbauen. Niemand muss am ersten Tag das Komplettsystem bauen.

Wie wir entscheiden

Wir verkaufen nicht reflexhaft Eigenentwicklung. Wo Standard trägt, sagen wir das, und manchmal ist die ehrlichste Lösung eine gekaufte mit einer kleinen Erweiterung. Wo der Prozess Ihr Vorteil ist, bauen wir ihn so, wie er bei Ihnen läuft. Die Abwägung machen wir vorher gemeinsam unter Build-vs-Buy, eine erste Zahlenbasis liefert der Lizenzkosten-Rechner.

Passt das zu einer Frage, die Sie gerade im Unternehmen beschäftigt?

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